Alles eine Frage der Einstellung

Die Unternehmerinnen des Landes Brandenburg 2016 sind gekürt

100 von 42.000 in Brandenburg selbstständigen Frauen haben sich getraut. Genauso viele Bewerbungen um den Preis „Unternehmerin des Landes Brandenburg 2016“ waren bei der Jury eingegangen. Vom Ende der Bewerbungsfrist Ende Februar 2016 bis zur Verleihung am 4. Mai 2016 in der Staatskanzlei in Potsdam hieß es, Daumen drücken und gedulden. Auch für Fotografin Steffi Rose.

Steffi Rose_und Kaffeetante_DM

Ein zehnseitiges Bewerbungsformular hatte sie termingerecht ausgefüllt und abgeschickt. Was sollte sie alles beschreiben? Die Gründungsidee, die Unternehmensziele, Alleinstellungsmerkmale, Kooperationen, Erfolge und Schwierigkeiten, Mitarbeiterförderung, Nachhaltigkeit, Arbeits- und Gesundheitsschutz und ehrenamtliches Engagement. Kein Schriftstück, das man auf die Schnelle erledigt. Gut, dass Präsentation im von ihr mitgegründeten Netzwerk Unternehmerinnen in Oberhavel ein Dauerthema ist. Das Netzwerk wurde unabhängig von ihrer Bewerbung als eins von zwei Unternehmerinnennetzwerken nach Potsdam eingeladen, um als Ansprechpartner für vernetzungswillige Unternehmerinnen zu fungieren. Gute Idee.

Netzwerken - Unternehmerinnen in Oberhavel

Die Aufregung wuchs. „Die Nominierten wissen, dass sie nominiert sind“, leitete Moderatorin Dr. Claudia Neusüß den 10. Unternehmerinnen- und Gründerinnentag mit rund 200 Gästen ein. Steffi Rose wusste von nichts. War das spannend! Doch zunächst staunte sie über das politische Protokoll. Die Namen aller wiederholt aufgezählten anwesenden Funktionsträger wird sie behalten. „Die Bewerberinnen stehen für alle Unternehmerinnen Brandenburgs. Die Wirtschaft setzt auf Frauen“, sagte Arbeitsministerin Diana Golze. Schon jetzt sind im Land Brandenburg mehr Frauen selbstständig als im Bundesdurchschnitt.

Arbeitsministerin Diana Golze

„Sie haben eine Marktnische erkannt, von der Idee bis zur kreativen Umsetzung durchgehalten, Durchhaltevermögen bewiesen und Beherztheit gezeigt“, lobte Ministerpräsident Dr. Dietmar Woidke die Anwesenden. „Sie sind die Richtigen, ein Unternehmen zu führen, Sie haben die Fähigkeiten und die Courage, aus eigener Kraft etwas zu schaffen, so der Schirmherr des Wettbewerbs. Ein Drittel aller 100.000 Brandenburger Unternehmen werden zurzeit von Frauen geführt. Wirtschaftsminister Albrecht Gerber ergänzte: „Frauenfirmen scheitern seltener als Männer.“

Dietmar Woidke_DM

Liegt es an der Körpersprache? Expertin Monika Matschnig klärte über die Macht der Wirkung auf. „Durchleuchten geht nicht“, dämpfte sie etwaige Erwartungen. Doch typische Signale zu erkennen, könne man lernen. Verschränkte Arme als Abwehrhaltung? „Das ist Quatsch“, räumte die Österreicherin ein häufiges Vorurteil aus dem Weg. „Es ist einfach bequem, aber das Gegenüber interpretiert häufig etwas hinein.“ Gehobene Augenbraue, aktives Zuhören, die Kraft der Hände, erster Eindruck. „Alles eine Frage der Einstellung.“ 150 Millisekunden entscheiden über sympathisch oder unsympathisch. Auch deshalb ist Veränderung für die Körpersprache-Spezialistin das A und O des Lebens. Positiv denken sowieso. „Heute ist ein herrlicher Tag“, im Chor aller Anwesenden gesprochen, vertreibt miese Stimmung. Garantiert.

Monika Matschig

Gibt es so ein Netzwerk auch in Ahrensfelde? Königs Wusterhausen? Wildau? Wie gründe ich ein Netzwerk? Sind Gäste willkommen? Welche Frauen treffen sich und worüber tauschen Sie sich aus? Die Vernetzungspause mit zahlreichen Gesprächen dauerte gefühlt zu kurz. Zwischenfazit: gelebte Vernetzung ist für Frauen besonders wichtig. Nebeneffekt: alle mitgebrachten Magazine unserer „Frauengeschichten 2“ fanden Interessentinnen. Mehr noch: wir wurden gefragt, wann denn das Magazin über die Preisverleihung kommt. Man traut uns offensichtlich viel zu. Toll, aber diesen Part besetzt das Team vom medienlabor Potsdam. Die mitreißende A-cappella-Band „Les Brünettes“ leitete zur Preisverleihung über.Les Bruenettes

Drei nominierte Existenzgründerinnen und zehn nominierte Unternehmerinnen wurden vorgestellt. Bei dem in diesem Jahr zum siebenten Mal ausgelobten Preis dominierten 2016 die sozialen Berufe.

Stefanie Rogall und Ulrike Oberthür aus Petershagen (Märkisch-Oderland) sind die erstmals gekürten Existenzgründerinnen des Landes Brandenburg 2016. In der von ihnen initiierten ersten brandenburgischen Kinderintensiv-WG pflegen sie Kinder mit besonderem Betreuungsbedarf.

www.kristallkinder-intensivpflege.de

Den mit 1000 Euro dotierten dritten Preis konnte Hotelbetreiberin Antje Biewald-Blumenthal mit nach Wittstock (Ostprignitz-Ruppin) nehmen. Im bereits mit dem Qualitätssiegel „Brandenburger Gastlichkeit“ ausgezeichneten Hotel Stadt Wittstock unterstützt sie unter anderem Menschen mit Behinderungen.

www.hotel-stadt-wittstock.de

Platz 2 und 1.500 Euro Preisgeld gingen an Dorothee Tüshaus aus Schöneiche (Oder-Spree). Die vierfache Mutter gründete 2010 die Zwergenkantine und bietet „Bio-Vollwert-Catering für Kids“. Gekocht wird bedarfsgerecht nach eigenen Rezepten. Ehrenamtlich engagiert sie sich in der Flüchtlingshilfe.

www.zwergenkantine.de

Schon preiserfahren ist die Unternehmerin des Landes Brandenburg 2016. Diplom-Biologin Christina Grätz aus Jänschwalde (Spree-Neiße) gründete 2011 die Nagola Re GmbH. Ihr Unternehmen erhält, schützt und schafft Lebensräume für Pflanzen und Tiere (ehrenamtlich auch Ameisen), nicht nur im Lausitzer Braunkohlerevier, sondern bundesweit. Der 1. Preis ist mit 3.000 Euro dotiert.

www.nagolare.de

Preistraegerinnen und Nominierte mit Jury_DM

„Frauen. Stärken. Wirtschaft.“ hieß das Motto des 10. Unternehmerinnen- und Gründerinnentages. „Passt“, resümierte Steffi Rose. „Eine eindrucksvolle Veranstaltung mit vielen Gesprächen und Inspirationen. Auch wenn ich nicht gewonnen habe – schön, dass ich dabei sein durfte.“

 

Text: Dagmar Möbius
Fotos: ©Dagmar Möbius und Steffi Rose